Evangelische Sühne-Christi-Kirche

Die Evangelische Sühne-Christi-Kirche ist ein Beispiel moderner Nachkriegsarchitektur. Die räumliche Nähe zum Hinrichtungsort Plötzensee war ausschlaggebend für die Wahl des Kirchennamens und des künstlerischen Programms.

Die Gedenkmauer, die in die Kirche hineinführt, bildet zusammen mit einer Bodenplatte das »Mahnmal zum Gedenken an Schreckensorte der menschlichen Gesellschaft«. Durch eine Vielzahl langer Metallnägel wird die Wortfolge »Golgatha – Plötzensee – Auschwitz – Hiroshima – Mauern« gebildet. Das Kunstwerk steht im historischen Kontext der Erinnerungsarbeit der 1960er-Jahre in der Bundesrepublik Deutschland und des Baus der Berliner Mauer.

1962 – 1964
erbaut als Gemeindekirche für das Neubaugebiet Charlottenburg-Nord

Architekt
Hansrudolf Plarre

Bauherrin
Evangelische Kirche in Berlin-Brandenburg

1964
Gedenkmauer von Florian Breuer

Denkmalschutz für die Kirche und die umgebende Neubausiedlung


Evangelische Sühne-Christi-Kirche church

The Church of Atonement is a prime example of modern church architecture, named because of its close proximity to Plötzensee. The wall that leads into the church is a memorial to places of horror in human society. The artwork is to be seen in the context of remembrance work in the Federal Republic of Germany and the construction of the Berlin Wall.

Peter Buchholz

Peter Buchholz wird 1888 als Sohn einer kinderreichen Schreinerfamilie in dem Dorf Eisbach in der Nähe von Bonn geboren. Nach einer theologischen Ausbildung wird er 1911 zum katholischen Priester geweiht. Im ersten Weltkrieg ist er ab 1915 Divisionspfarrer und direkt an der Front tätig. Ab 1918 arbeitet Buchholz zunächst lange Jahre als Kaplan in Essen, bevor er ab 1926 als Gefängnispfarrer tätig wird. Mai 1943 wird er nach Berlin versetzt und ist als katholischer Seelsorger auch zuständig für das Strafgefängnis Berlin-Plötzensee, wo sich eine der zentralen nationalsozialistischen Hinrichtungsstätten befindet. Zu diesem Zeitpunkt werden hier monatlich weit über 100 Todesurteile der NS-Justiz vollstreckt. Buchholz betreut diejenigen deutschen und ausländischen Häftlinge, die Widerstand gegen das NS-Regime geleistet haben und auf ihre Hinrichtung warten. Ab August 1944 sind es vorwiegend Menschen, die wegen ihrer Beteiligung am Umsturzversuch vom 20. Juli inhaftiert und in Plötzensee ermordet werden. In enger Zusammenarbeit mit dem evangelischen Pfarrer Harald Pölchau vermittelt er zwischen den Häftlingen und ihren Angehörigen letzte Nachrichten oder überbringt heimlich Lebensmittel und Briefe. Nach dem Krieg wird er für kurze Zeit Beauftragter für kirchliche Angelegenheiten im neu gebildeten Magistrat der Stadt Berlin, bevor er 1946 wieder ins Rheinland zurückkehrt. Neben seiner wieder aufgenommenen Arbeit als Gefängnispfarrer setzt er sich in zahlreichen Vorträgen und Rundfunkansprachen für die Erinnerung an diejenigen Frauen und Männer des Widerstands ein, die in Plötzensee hingerichtet wurden. Peter Buchholz stirbt 75-jährig am 4. Mai 1963 in Bonn.


Peter Buchholz

Peter Buchholz was born in 1888 into the large family of a cabinet-maker in the village of Eisbach, near Bonn. Following a theological education, he was ordained a Catholic priest in 1911. During the First World War, he was division chaplain from 1915 and served directly on the frontline. From 1918, Buchholz first spent many years working as a chaplain in Essen before he became a prison chaplain in 1926. In May 1943, he was transferred to Berlin, where his responsibilities as a Catholic priest also included attending to inmates of the prison at Berlin-Plötzensee, where one of the central National Socialist execution sites was located. At this point in time, more than a hundred death sentences handed down by the National Socialist judiciary were being carried out every month. Buchholz ministered to those German and foreign prisoners who had resisted the National Socialist regime and were awaiting execution. From August 1944, these mainly consisted of people who were arrested as a result of their involvement in the attempted coup of 20 July and murdered in Plötzensee. In close cooperation with the protestant priest Harald Pölchau, he passed on final messages to or from relatives of the prisoners or secretly delivered food or letters. After the war, he was briefly made commissioner for church affairs in the newly formed municipal authorities of Berlin, before he returned to the Rhineland in 1946. In addition to resuming his work as a prison chaplain, he also gave numerous lectures and radio interviews in which he called for the commemoration of the men and women of the resistance who were executed in Plötzensee. Peter Buchholz died at the age of 75 on May 4, 1963, in Bonn.

Dorothee Poelchau

Dorothee Ziegele wird 1902 als zweite Tochter des Pfarrers Paul Eugen Ziegele und seiner Frau Berta in Steinkirchen geboren. Sie erfährt Prägungen durch die Jugendbewegung. Im Wintersemester 1921/22 beginnt sie in Leipzig das Studium der Germanistik. Gleichzeitig macht sie eine Ausbildung an der dortigen Bibliotheksschule, wo sie 1923 den Abschluß für den mittleren Bibliotheksdienst ablegt. 1923 wird sie an der Universitätsbibliothek Tübingen fest angestellt. In dieser Zeit lernen sich Dorothee Ziegele und Harald Poelchau kennen. 1926 nimmt sie eine Stelle in der Bibliothek des Statistischen Reichsamts in Berlin an. Die Heirat von Dorothee und Harald Poelchau findet am 12. April 1928 in Herrenberg/Württemberg statt. Genauso wie ihr Mann ist sie von Beginn an gegen das NS-Regime eingestellt. 1938 wird ihr gemeinsamer Sohn Harald Stephan jun. geboren. Dorothee Poelchau ist in die heimliche Hilfe ihres Mannes, die er für untergetauchte Juden und die Angehörigen politischer Häftlinge leistet, aktiv eingebunden. Sie besorgt Lebensmittel und betreut die Verfolgten, die in der eigenen Wohnung aufgenommen werden. Zudem stellt sie verschiedene Kontakte für die Unterzubringenden her. Sie bereitet Speisen zu, die ihr Mann den Gefangenen in den verschiedenen Gefängnissen zukommen lassen kann. In den letzten Kriegswochen verlässt sie mit ihrem Sohn Harald Berlin, kehrt aber im Sommer 1945 wieder nach Berlin zurück.


Dorothee Poelchau

Dorothee Ziegele was born in Steinkirchen in 1902, the second daughter of the pastor Paul Eugen Ziegele and his wife Berta. She was influenced by the youth movement. In the winter semester of 1921/22, she began studying German literature in Leipzig. In parallel, she trained at the Leipzig librarian school, where she qualified for the mid-level library service in 1923. She obtained a post at Tübingen university library that year. While working there, Dorothee Ziegele met Harald Poelchau. In 1926 she took a post in the library of the Reich Statistics Office in Berlin. Dorothee and Harald Poelchau married in Herrenberg/Württemberg on April 12, 1928. Both of them were against the Nazi regime from the very beginning. Their son Harald Stephan junior was born in 1938. Dorothee Polechau was actively involved in her husband’s covert aid for Jews in hiding and the relatives of political prisoners. She obtained food and looked after people, whom the couple took into their own home. She also made various contacts on behalf of those in need of accommodation. She prepared meals, which her husband managed to send to inmates in the various prisons. In the last weeks of the war she left Berlin with her son Harald, but returned to the city in the summer of 1945.

Erinnerung im Stadtraum

In der Gedenkregion Charlottenburg-Nord wurden seit den frühen 1950er-Jahren fast alle Straßen, Plätze und öffentlichen Gebäude nach Männern und Frauen benannt, die in der Zeit des Nationalsozialismus aus ganz unterschiedlichen Gründen Widerstand geleistet haben. Viele von ihnen wurden dafür von der NS-Unrechtsjustiz zum Tode verurteilt und im Strafgefängnis Plötzensee hingerichtet.

Die Biografien der auf diese Weise geehrten Männer und Frauen des Widerstands wurden zum überwiegenden Teil von der Gedenkstätte Deutscher Widerstand erarbeitet und zusammen mit den Fotos im Rahmen einer Kooperation mit dem Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf für die Website zum »Pfad der Erinnerung« zur Verfügung gestellt. Sie sind Teil einer umfassenden Biografiensammlung der Gedenkstätte, zu finden unter: https://www.gdw-berlin.de/vertiefung/biografien/personenverzeichnis/


Remembrance in the City

Since the early 1950s, almost all streets, squares and public buildings in the memorial area Charlottenburg-Nord have been named after men and women who resisted National Socialism for various reasons. Many of them were executed at Plötzensee prison.

The biographies of the people in resistance were researched and written in it’s majority by Gedenkstätte Deutscher Widerstand („German Resistance Memorial Center“) and provided together with the photos as part of a cooperation with Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf for the website „Path of Remembrance“. They are part of a comprehensive collection to be find at https://www.gdw-berlin.de/en/recess/biographies/index_of_persons/.

Führungen durch die Gedenkregion

Öffentliche Führungen auf dem »Pfad der Erinnerung« durch die Gedenkregion Charlottenburg-Nord

Termin: Jeden ersten Samstag im Monat
Dauer: 3 bis 3,5 Stunden, Führung in deutsch
Start: 10.00 Uhr vor der Evangelischen Sühne-Christi-Kirche, Toeplerstraße 1, 13627 Berlin, U-Bahn-Station Halemweg (U7)
Tourende: Gedenkstätte Plötzensee, Hüttigpfad. Anschluss an die S-Bahn-Station Beusselstraße (S-Bahn-Ring) oder den U-Bahnhof Halemweg (U7) durch die Buslinie 123
Kosten: 10,00 Euro pro Person, ermäßigt 5,00 Euro

Der Weg führt entlang des ausgeschilderten Weges »Pfad der Erinnerung« von der evangelischen Sühne-Christi-Kirche über die katholischen Gedenkkirche Maria Regina Martyrum und die evangelische Gedenkkirche Plötzensee (Heckerdamm) zur Gedenkstätte Plötzensee (Hüttigpfad). Es werden alle drei Kirchen und die Gedenkstätte Plötzensee besichtigt und erklärt. Unterwegs gibt Pfarrer Michael Maillard Erläuterungen zu den Hintergründen und zu den Namen von Straßen und Schulen, die nach Menschen des Widerstands benannt sind.

Veranstalter: Evangelische Kirchengemeinde Charlottenburg-Nord (in Verbindung mit dem Ökumenischen Gedenkzentrum Plötzensee)

Nähere Auskünfte und Anmeldung (erbeten, aber nicht notwendig):
Pfarrer Michael Maillard
Telefon 030 3813478 (Gemeindebüro)
maillard@charlottenburg-nord.de


Führungen durch die Gedenkregion

Öffentliche Führungen auf dem »Pfad der Erinnerung« durch die Gedenkregion Charlottenburg-Nord

Termin: Jeden ersten Samstag im Monat
Dauer: 3 bis 3,5 Stunden, Führung in deutsch
Start: 10.00 Uhr vor der Evangelischen Sühne-Christi-Kirche, Toeplerstraße 1, 13627 Berlin, U-Bahn-Station Halemweg (U7)
Tourende: Gedenkstätte Plötzensee, Hüttigpfad. Anschluss an die S-Bahn-Station Beusselstraße (S-Bahn-Ring) oder den U-Bahnhof Halemweg (U7) durch die Buslinie 123
Kosten: 10,00 Euro pro Person, ermäßigt 5,00 Euro

Der Weg führt entlang des ausgeschilderten Weges »Pfad der Erinnerung« von der evangelischen Sühne-Christi-Kirche über die katholischen Gedenkkirche Maria Regina Martyrum und die evangelische Gedenkkirche Plötzensee (Heckerdamm) zur Gedenkstätte Plötzensee (Hüttigpfad). Es werden alle drei Kirchen und die Gedenkstätte Plötzensee besichtigt und erklärt. Unterwegs gibt Pfarrer Michael Maillard Erläuterungen zu den Hintergründen und zu den Namen von Straßen und Schulen, die nach Menschen des Widerstands benannt sind.

Veranstalter: Evangelische Kirchengemeinde Charlottenburg-Nord (in Verbindung mit dem Ökumenischen Gedenkzentrum Plötzensee)

Nähere Auskünfte und Anmeldung (erbeten, aber nicht notwendig):
Pfarrer Michael Maillard
Telefon 030 3813478 (Gemeindebüro)
maillard@charlottenburg-nord.de

Ökumenisches Gedenken

2009 hat sich der Verein »Ökumenisches Gedenkzentrum Plötzensee. Christen und Widerstand« gegründet. Ziel ist es, die Zusammenarbeit zwischen der zentralen Gedenkkirche der deutschen Katholiken Maria Regina Martyrum und der benachbarten Evangelischen Gedenkkirche Plötzensee zu intensivieren und daran zu erinnern, dass christlich motivierter Widerstand gegen den Nationalsozialismus auch ökumenisch ausgerichtet war.

Gemeinsam werden Veranstaltungen und Vorträge organisiert:

  • Monatliche »Plötzenseer Abende« (Ökumenische Friedensgebete, in der Regel am letzten Donnerstag im Monat um 18.30 Uhr in der Krypta der katholischen Gedenkkirche Maria Regina Martyrum)
  • »Ökumenische Plötzenseer Tage« mit Gottesdiensten, Vorträgen und Konzerten anlässlich des Todestages von Helmuth James Graf von Moltke (rund um den 23. Januar)
  • Veranstaltungen rund um den 20. Juli
  • Projekttage für Schulen, Führungen durch die Gedenkkirchen, Seminare
  • Ausstellungen und vieles mehr

Eine Bibliothek mit Büchern zum Thema Widerstand ist im Aufbau.

Weitere Informationen und Termine:
www.gedenkzentrum.de


Ecumenical Remembrance

The association »Ecumenical Memorial Centre Plötzensee. Christians and Resistance« was founded in 2009. The aim is to intensify co-operation between the central memorial church of Germany’s Catholics, Maria Regina Martyrum, and the neighbouring Protestant Memorial Church Plötzensee and to commemorate the fact that resistance to National Socialism motivated by Christianity was ecumenical in nature.

Together, we organise events and presentations:

  • Monthly »Plötzensee Evenings« (Ecumenical prayers for peace, usually on the last Thursday of the month at 18.30 in the crypt of the Catholic Memorial Church Maria Regina Martyrum)
  • »Ecumenical Plötzensee Days« with services, presentations and concerts on 23 January to mark the anniversary of Helmuth James Graf von Moltke
  • Events marking 20 July
  • Projects for schools, guided tours of the memorial churches, seminars
  • Exhibitions and much more

A library on the topic of resistance is under construction.

Further information and dates:
www.gedenkzentrum.de