Adolf Reichwein

Nach dem Ersten Weltkrieg setzt sich der Pädagoge Adolf Reichwein für den Aufbau von Volkshochschulen, die Erwachsenenbildung und die Lehrerfortbildung ein. Er ist ein besonderer Vertrauter des preußischen Kultusministers Carl Heinrich Becker. 1930 wird Reichwein Professor für Geschichte und Staatsbürgerkunde an der neu eröffneten Pädagogischen Akademie in Halle und wird dort aus politischen Gründen von den Nationalsozialisten am 24. April 1933 entlassen. Die folgenden Jahre verbringt er als Landschullehrer in Tiefensee bei Berlin, später als Museumspädagoge am Staatlichen Museum für Deutsche Volkskunde in Berlin. Seit 1940 hat Reichwein Kontakt zu den Widerstandskreisen um Wilhelm Leuschner und Julius Leber und gehört selbst dem Kreisauer Kreis an. Im Sommer 1944 hat er nicht nur Kontakte zur militärischen Opposition, sondern trifft sich am 22. Juni 1944 gemeinsam mit Julius Leber mit den kommunistischen Widerstandskämpfern Anton Saefkow und Franz Jacob. Die Teilnahme eines Gestapo-Spitzels an diesem Treffen führt Anfang Juli 1944 zur Festnahme von Julius Leber und Adolf Reichwein. Adolf Reichwein wird am 20. Oktober 1944 vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt und am selben Tag in Berlin-Plötzensee ermordet.


Adolf Reichwein

Adolf Reichwein, an educator and close associate of Prussian minister of education and cultural affairs Carl Heinrich Becker, spoke out in support of a program of community colleges, adult education programs, and continuing education for teachers after the First World War. In 1930, Reichwein became a professor of history and political science at the newly opened Academy of Education in Halle. There he was dismissed for political reasons on April 24, 1933. He was married to Rosemarie Pallat, with whom he had three daughters and a son. Reichwein spent the following years as a country schoolteacher in Tiefensee near Berlin, later as an educator at the State Museum of German Folklore in Berlin. From 1940 on, he was in contact with the resistance circles around Wilhelm Leuschner and Julius Leber and was himself a member of the Kreisau Circle. In the summer of 1944, he met with the Communist leaders Anton Saefkow and Franz Jacob. These contacts led to his arrest in early July 1944. Adolf Reichwein was sentenced to death by the People’s Court on October 20, 1944, and murdered the same day in Berlin-Plötzensee.

Ernst Schneppenhorst

Ernst Schneppenhorst erlernt den Beruf des Schreiners und ist von 1906 bis 1918 Geschäftsführer des Deutschen Holzarbeiterverbandes in Nürnberg. Daneben ist er von 1912 bis 1920 für die SPD Mitglied des Bayerischen Landtages und 1932/33 Reichstagsabgeordneter. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten verliert er sein Optikergeschäft und wird 1937 ein Jahr in Haft gehalten. Danach nimmt er wieder Kontakt zu Wilhelm Leuschner auf. Für diesen stellt Schneppenhorst im Herbst 1943 und im Frühjahr 1944 Kontakte zu ehemaligen Gewerkschaftern her. Nach dem gescheiterten Attentat vom 20. Juli 1944 werden diese Verbindungen aufgedeckt und Ernst Schneppenhorst wird verhaftet. Er wird im Konzentrationslager Sachsenhausen und später im Gefängnis Lehrter Straße inhaftiert. Zusammen mit den Mitgefangenen Albrecht Graf Bernstorff und Karl Ludwig Freiherr von Guttenberg wird Ernst Schneppenhorst am frühen Morgen des 24. April 1945 von einem SS-Kommando aus der Zelle geholt und ermordet.


Ernst Schneppenhorst

Ernst Schneppenhorst learned the trade of joiner and was managing director of the German Woodworkers’ Federation in Nuremberg from 1906 to 1918. He was also a member of the Bavarian State Parliament for the Social Democratic Party (SPD) from 1912 to 1920, and a member of the Reichstag from 1932-33. After the National Socialists took power he lost his optician’s business and was held in custody for a year in 1937. Afterwards he re-established contact with Wilhelm Leuschner. In the fall of 1943 and the spring of 1944, Schneppenhorst arranged contacts for Leuschner to former labor unionists. Following the unsuccessful assassination attempt on July 20, 1944, these connections were discovered and Ernst Schneppenhorst was arrested. He was imprisoned in Sachsenhausen concentration camp and later in Lehrter Straße Prison in Berlin. In the early morning of April 24, 1945, Ernst Schneppenhorst and his fellow-prisoners, Albrecht Graf Bernstorff and Karl Ludwig Freiherr von und zu Guttenberg, were taken together from their cells and murdered by an SS commando.

Theodor Strünck

Der Jurist Theodor Strünck übernimmt nach dem Abschluss seines Studiums eine leitende Aufgabe in der Versicherungswirtschaft. In den frühen zwanziger Jahren fühlt er sich von nationalistischen Kräften mehr angesprochen als von den Parteien der Weimarer Republik. Die offenkundigen Rechtsbrüche nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten veranlassen ihn jedoch, sich oppositionellen Kreisen zuzuwenden. Auf Betreiben von Hans Oster wird Theodor Strünck 1937 als Reserveoffizier zur Verwendung beim Amt Ausland/Abwehr des Oberkommandos der Wehrmacht eingezogen und beteiligt sich bereits an den Umsturzplanungen des Jahres 1938. Er unterstützt in enger Zusammenarbeit mit Hans Oster und Carl Goerdeler die Umsturzbestrebungen. Nach dem Scheitern des Attentats vom 20. Juli 1944 nutzt Theodor Strünck die sich ihm bietenden Fluchtmöglichkeiten in die Schweiz nicht, um seine Angehörigen nicht der »Sippenhaft« auszusetzen. Er wird mit seiner Frau Elisabeth am 1. August 1944 festgenommen, am 10. Oktober 1944 vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt und bis zu seiner Ermordung am 9. April 1945 im KZ Flossenbürg gefangengehalten.


Theodor Struenck

After graduating in law, Theodor Strünck took up a leading position in the insurance business. In the early 1920s he was more attracted to nationalist forces than to the parties of the Weimar Republic. However, the blatant violations of the law after the National Socialists took power lead him to sympathize with opposition circles. In 1937, at the instigation of Hans Oster, Strünck was enlisted as a reserve officer for service in the Office for Foreign Affairs/Counterintelligence in the Armed Forces High Command. He was already involved in plans for a coup in 1938, and collaborated closely with Hans Oster and Carl Goerdeler to support the efforts to overthrow Hitler. After the unsuccessful assassination attempt of July 20, 1944, Strünck did not use his chances to flee to Switzerland because he wanted to spare his relatives the ordeal of “Sippenhaft” (imprisonment for families held responsible for the political crimes of a family member). He was arrested with his wife Elisabeth on August 1, 1944. Theodor Strünck was sentenced to death by the People’s Court on October 10, 1944 and imprisoned in Flossenbürg concentration camp, where he was murdered on April 9, 1945.

Hellmuth Stieff

Hellmuth Stieff absolviert nach dem Ersten Weltkrieg eine Offiziersausbildung und wird 1938 in den Generalstab versetzt. Seit Oktober 1942 ist er Chef der Organisationsabteilung im Oberkommando des Heeres. Nach Gesprächen mit Henning von Tresckow entschließt sich Stieff im Sommer 1943, an der Vorbereitung eines Attentates auf Hitler mitzuwirken. Er versucht, Generalfeldmarschall Günther von Kluge zur Teilnahme an diesem Umsturzversuch zu bewegen und verwahrt in den folgenden Monaten mehrfach Sprengstoff für einen Anschlag auf Hitler. Allerdings lehnt Stieff es ab, das Attentat selbst auszuführen. Noch in der Nacht des 20. Juli 1944 wird er in Ostpreußen festgenommen und bei den nachfolgenden Vernehmungen von der Gestapo schwer misshandelt. Am 8. August 1944 verurteilt ihn der Volksgerichtshof zum Tode, am selben Tag wird er in Berlin-Plötzensee ermordet.


Hellmuth Stieff

Hellmuth Stieff completed an officer training course after the First World War and was transferred to the general staff in 1938. From October 1942 on he was chief of the Organization Department in the Army High Command. After discussions with Henning von Tresckow, in the summer of 1943 Stieff decided to collaborate in the preparations to kill Hitler. He tried to persuade General Field Marshal Günther von Kluge to take part in the coup attempt. In the following months, Stieff safeguarded explosives for an assassination attempt on Hitler on several occasions. However, he refused to carry out the assassination himself. He was arrested in East Prussia on the night of July 20, 1944 and severely maltreated by the Gestapo during interrogation. Hellmuth Stieff was sentenced to death by the People’s Court on August 8, 1944 and murdered the same day in Berlin-Plötzensee.

Ludwig Schwamb

Ludwig Schwamb schlägt nach einem juristischen Studium und seiner zeitweiligen Niederlassung als Rechtsanwalt 1925 die Verwaltungslaufbahn ein. Als Sozialdemokrat wird er 1928 zusammen mit Carlo Mierendorff als persönlicher Referent in das hessische Innenministerium unter Wilhelm Leuschner berufen. Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme verliert er 1933 sein Amt, siedelt nach Berlin über und arbeitet als Syndikus in einer Schuhfabrik. In den folgenden Jahren hält Schwamb engen Kontakt mit seinen sozialdemokratischen Freunden Leuschner, Mierendorff und Leber, die erst nach und nach aus den Konzentrationslagern entlassen werden. Die Verschwörer des 20. Juli 1944 schlagen Schwamb als politischen Beauftragten für den Wehrkreis XII (Wiesbaden) vor. Er wird nach dem gescheiterten Attentat zusammen mit seiner Frau, die jedoch wenige Tage später wieder freikommt, am 23. Juli 1944 in Frankfurt am Main festgenommen. Nach Monaten der Haft im Gefängnis Lehrter Straße verurteilt ihn der Volksgerichtshof unter Roland Freisler am 13. Januar 1945 zum Tode. Ludwig Schwamb wird am 23. Januar 1945 in Berlin-Plötzensee ermordet.


Ludwig Schwamb

After studying law and practising for a while as an attorney, Ludwig Schwamb began a career in administration in 1925. As a social democrat, in 1928 he was appointed with Carlo Mierendorff as a personal consultant in the Interior Ministry in Hesse under Wilhelm Leuschner. After the National Socialists took power in 1933, Schwamb lost his post. He moved to Berlin and worked as a corporation lawyer in a shoe factory. In the following years he maintained close contact with his social democratic friends Leuschner, Mierendorff, and Leber, who were gradually released from concentration camps. The conspirators of July 20, 1944 proposed Schwamb as political commissioner for military district XII (Wiesbaden). After the unsuccessful coup attempt on July 20, 1944, he was arrested with his wife on July 23, 1944 in Frankfurt am Main. His wife was released a few days later. After months in custody in Lehrter Straße Prison, Ludwig Schwamb was sentenced to death by the People’s Court under Roland Freisler on January 13, 1945. Ludwig Schwamb was murdered on January 23, 1945 in Berlin-Plötzensee.

Helmuth James Graf von Moltke

Helmuth James Graf von Moltke studiert seit 1925 in Berlin Rechts- und Staatswissenschaften. Engagiert leitet er in Schlesien ein freiwilliges Arbeitslager für Studenten, Bauern und Industriearbeiter. Moltke, der den demokratischen Kräften seiner Zeit nahe steht, verfolgt Hitlers Aufstieg mit offener Kritik. Daher verzichtet er 1933 auf ein Richteramt und lässt sich 1935 als Anwalt in Berlin nieder. Zwischen 1935 und 1938 absolviert er zudem eine Ausbildung als britischer Rechtsanwalt (Barrister) und plant die Übernahme eines Anwaltsbüros in London, die durch den Kriegsbeginn im September 1939 verhindert wird. Im selben Monat wird Moltke als Kriegsverwaltungsrat in das Amt Ausland/Abwehr des Oberkommandos der Wehrmacht in Berlin verpflichtet. Als Sachverständiger für Kriegs- und Völkerrecht versucht er, sich gegen Unrecht und Willkür einzusetzen. Besonders engagiert er sich für die humane Behandlung von Kriegsgefangenen und die Einhaltung des Völkerrechts. Bereits 1939 verfasst Moltke erste Denkschriften zur politischen Neuorientierung Deutschlands. Anfang 1940 stößt Peter Graf Yorck von Wartenburg zu einer Gruppe von Regimegegnern um Moltke. Moltke und Yorck werden zu den führenden Köpfen des daraus entstehenden Kreisauer Kreises und nehmen an den meisten der Beratungen in Berlin und in Kreisau teil. Moltke versucht, durch systematische Ausweitung seine Kontakte zu protestantischen und katholischen Kirchenführern und zu den Führern der politischen sozialdemokratischen Opposition zu erweitern. Nachdem Moltke Mitglieder des Solf-Kreises vor einer Gestapo-Überwachung warnt und dies entdeckt wird, wird er am 19. Januar 1944 verhaftet. Seine Beteiligung an den Staatsstreichplänen wird erst nach dem gescheiterten Umsturzversuch vom 20. Juli 1944 bekannt. Am 11. Januar 1945 verurteilt der Volksgerichtshof ihn zum Tode. Helmuth James Graf von Moltke wird am 23. Januar 1945 in Berlin-Plötzensee ermordet.


Helmuth James Graf von Moltke

Helmuth James Graf von Moltke studied law and political sciences in Berlin from 1925 on. He was deeply involved in running a voluntary work camp in Silesia for students, farmers and industrial workers. Moltke had close sympathies with the democratic forces of the day and expressed open criticism as he watched the rise of Hitler. Consequently, in 1933 he refused to accept appointment as a judge; in 1935 he set up an attorney’s office in Berlin. Between 1935 and 1938 he completed a training course as a British barrister and made plans to take over an attorney’s office in London, but was prevented by the outbreak of the Second World War in September 1939. In the same month Moltke was drafted as a war administration councilor in the Office for Foreign Affairs/Counterintelligence in the Armed Forces High Command in Berlin. As an expert adviser on international law and the laws of war he tried to combat injustice and arbitrariness. He was particularly active in advocating humane treatment of prisoners of war and the observance of international law. In 1939 Moltke already wrote the first memoranda on the establishment of a new political order in Germany. At the beginning of 1940, Peter Graf Yorck von Wartenburg joined a group of regime opponents gathered around Moltke. Moltke and Yorck became the leading figures in the group that subsequently emerged, the Kreisau Circle, and took part in most of its discussions in Berlin and Kreisau. Moltke systematically tried to extend his contacts to Protestant and Catholic Church leaders and to the leaders of the social democratic political opposition. Moltke was arrested on January 19, 1944 after it was discovered that he had warned members of the Solf Circle that they were under Gestapo surveillance. But his involvement in the plans for a coup against Hitler was not exposed until after the failure of the coup attempt of July 20, 1944. Helmuth James Graf von Moltke was sentenced to death by the People’s Court on January 11, 1945 and murdered on January 23, 1945 in Berlin-Plötzensee.

Friedrich Olbricht

Nach dem Abschluss seiner Ausbildung zum Generalstabsoffizier, die durch den Ersten Weltkrieg unterbrochen worden ist, wird Olbricht 1926 in das Reichswehrministerium in die Abteilung »Fremde Heere« berufen und kommt 1933 als Stabschef nach Dresden. Er ist verheiratet mit Eva Koeppel, mit der er eine Tochter und einen Sohn hat. Im März 1940 wird Olbricht zum Chef des Allgemeinen Heeresamtes beim Oberkommando des Heeres in Berlin ernannt und ist in Personalunion seit 1943 auch Chef des Wehrersatzamtes beim Oberkommando der Wehrmacht. Er betreibt in Abstimmung mit zivilen Oppositionsgruppen um Ludwig Beck und Carl Goerdeler seit 1942 die Ausarbeitung der »Walküre«-Pläne, um den Verschwörern die Übernahme der vollziehenden Gewalt zu ermöglichen. Im Herbst 1943 fordert er Stauffenberg als Stabschef für sein Amt an, bis dieser im Juni 1944 zum Befehlshaber des Ersatzheeres General Fromm wechselt. Als am 20. Juli 1944 das mehrfach verschobene Attentat auf Hitler stattfindet, löst Olbricht am Nachmittag in Berlin den »Walküre«-Alarm aus. Nach dem Scheitern des Umsturzversuches wird er noch in der Nacht im Hof des Bendlerblocks zusammen mit Stauffenberg, Mertz von Quirnheim und Werner von Haeften erschossen.


Friedrich Olbricht

After completing his training as an officer of the General Staff, which had been interrupted by the First World War, Olbricht was assigned to the Reichwehr Ministry, Department of Foreign Armies, in 1926; in 1933 he was sent to Dresden as chief of staff. He was married to Eva Koeppel, with whom he had a daughter and a son. In March 1940, Olbricht headed the Allgemeines Heeresamt (General Army Office) of the Army High Command in Berlin; from 1943 on, he also headed the Wehrersatzamt (Recruiting Office) of the Armed Forces High Command. From 1942 on, he helped prepare the ”Valkyrie“ plans in cooperation with civilian opposition groups around Ludwig Beck and Carl Goerdeler. These plans were intended to enable the conspirators to seize executive power in Germany. In the fall of 1943, he requested Stauffenberg as chief of staff for his office, where Stauffenberg remained until his transfer to the staff of General Fromm, commander of the Ersatzheer (Reserve Army). After having been repeatedly postponed, the assassination of Hitler was finally attempted on July 20, 1944, and Olbricht issued the orders to begin Operation ”Valkyrie“ in Berlin that afternoon. After the attempted coup had failed, Olbricht was executed by a firing squad in the inner courtyard of the Bendler Block that same night together with Stauffenberg, Mertz von Quirnheim, and Werner von Haeften.

Paul Hertz

Paul Hertz wird 1888 in Worms geboren und stammt aus einer jüdischen Familie. 1903 beginnt er eine Ausbildung zum Kaufmann und engagiert sich bereits gewerkschaftlich. 1908 tritt er aus der jüdischen Religionsgemeinschaft aus. Ab 1910 studiert er Nationalökonomie an der Universität München, die ihn auch ohne Abitur zulässt, und beendet sein Studium 1914 mit der Promotion. 1917 tritt er in die Unabhängige Sozialdemokratische Partei (USPD) ein und wird Wirtschaftsredakteur der Parteizeitung »Freiheit«. Seine politische Karriere beginnt er 1920 in Berlin, wo er Stadtverordneter für Ernährung, Finanzen und Steuerwesen für den Stadtteil Charlottenburg wird. Kurze Zeit später findet die erste Reichstagswahl der Weimarer Republik statt. Paul Hertz zieht als Abgeordneter der USPD in das Parlament ein und vertritt, nach der Rückkehr des rechten Parteiflügels zur SPD, ab 1922 dort die SPD.
Kurz nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten reist er Ende März 1933 in seiner Funktion als SPD-Politiker nach Dänemark und Schweden, um dort Parteifreunde über die politische Situation zu informieren. Nach seiner Rückkehr kann er dank einer Warnung seiner drohenden Verhaftung entgehen und flieht zunächst über Zürich nach Prag. Dort engagiert er sich weiterhin in der SPD, wird Redakteur der Exil-Zeitschrift »Die sozialistische Aktion« und arbeitet im Beirat des Völkerbunds. 1938 flieht Hertz zusammen mit seiner Familie nach Paris, ein Jahr später emigrieren sie in die USA.
1949 kehrt Hertz auf Wunsch des Regierenden Bürgermeisters Ernst Reuter nach Berlin zurück. Auch aufgrund seiner in den USA erworbenen Kenntnisse und Kontakte wird er Senator für den Marshallplan und Kreditwesen und verantwortlich für das Berliner Notstandsprogramm. Später wird er Senator für Wirtschaft und Finanzen und damit auch für den Wohnungsbau der Stadt zuständig. Mit seiner Arbeit trägt er wesentlich zum Aufbau Berlins in den Nachkriegsjahren bei. Paul Hertz stirbt am 23. Oktober 1961 in Berlin.


Paul Hertz

Paul Hertz was born in 1888 in Worms and came from a Jewish family. In 1903, he began training as a merchant and became active in a trade union. In 1908, he formally abandoned the Jewish faith. From 1910, he began studying national economics at Munich University, which accepted him despite his failure to complete his school education, and completed his studies with a doctorate in 1914. In 1917, he joined the Unabhängige Sozialdemokratische Partei (USPD – “Independent Socialist Party of Germany”) and became business editor of the party newspaper “Freiheit” (Freedom). He began his political career in 1920 in Berlin, where he became councillor for nutrition, finance and taxation in the district of Charlottenburg. A short time later, the Weimar Republic’s first elections to the Reichstag were held. Paul Hertz was elected a member of parliament on behalf of the USPD. After the right wing of the party re-joined the SPD, he represented the SPD in parliament from 1922.
Shortly after the National Socialists seized power, he travelled in his capacity as SPD politician to Denmark and Sweden to inform fellow Social Democrats there about the situation in Germany. On his return, he was able to avoid arrest thanks to a tip-off and fled to Prague via Zurich. He continued to remain active in the SPD while there, working for the exiles’ newspaper “Die sozialistische Aktion” (The Socialist Action) and served on the advisory board of the League of Nations. In 1938, Hertz and his family fled to Paris. A year later, they emigrated to the US.
In 1949, at the request of the mayor, Ernst Reuter, Hertz returned to Berlin. In part because of the expertise and contacts he had acquired in the US, he was made Senator for the Marshall Plan and Banking, with responsibility for the emergency programme in Berlin. Later, he became Senator for Economics and Finance, which included responsibility for residential construction in the city. His work represented a major contribution to rebuilding efforts in post-war Berlin. Paul Hertz died on October 23, 1961, in Berlin.

Richard Hüttig

Richard Hüttig stammt aus Bottendorf in Thüringen und kommt als Jugendlicher nach Berlin. Er arbeitet als Maurer, wohnt in einem Charlottenburger Arbeiterviertel und wird Mitglied der »Roten Jungfront« der KPD. Ab 1930 leitet er die Häuserschutzstaffel des neugegründeten »Kampfbund gegen den Faschismus« in seinem Kiez, dem »kleinen Wedding«. So sollen die Häuser und ihre Bewohner vor Übergriffen von SA-Sturmtruppen geschützt werden. In den ersten Monaten 1933 kommt es zu zahlreichen Straßenkämpfen zwischen SA-Angehörigen und den Kommunisten des Kampfbundes, dabei wird am 17.2.1933 der SS-Scharführer von der Ahé erschossen.
Hüttig verlässt auf Anraten seiner Freunde für kurze Zeit Berlin. Im Juni 1933 kommt er zurück und versucht, die durch viele Verhaftungen dezimierte Häuserschutzstaffel neu zu organisieren. Bei einer Razzia im September wird er zusammen mit anderen Mitgliedern verhaftet und in das Gestapo-Gefängnis Columbiadamm gebracht – dem späteren KZ Columbiahaus – und dort schwer misshandelt. Mit der erklärten Absicht, durch ein Todesurteil gegen den Hauptangeklagten Hüttig eine abschreckende Wirkung auf Widerstandsaktivitäten zu erzielen, wird gegen ihn und weitere 16 Männer am 1. Februar 1934 der Prozess eröffnet. Obwohl das Gericht in der Urteilsverkündung einräumt, dass Hüttig nichts nachzuweisen ist, wird er »wegen schweren Landfriedensbruchs und versuchten Mordes« zum Tode verurteilt. Gegen die anderen Mitglieder der Charlottenburger Häuserschutzstaffel werden hohe Haftstrafen verhängt. Am 14. Juni 1934 wird Richard Hüttig im Strafgefängnis Plötzensee als erster politischer Häftling hingerichtet.


Richard Hüttig

Richard Hüttig was from Bottendorf in Thüringen and moved to Berlin in his youth. He worked as a brick-layer, lived in a working-class neighbourhood of Charlottenburg and joined the Rote Jungfront (Red Youth Front) of the German Communist Party, the KPD. From 1930, he led the Häuserschutzstaffel (House Protection Squadron) of the newly founded “Kampfbund gegen den Faschismus” (Combat Alliance against Fascism) in his neighbourhood, “Kleiner Wedding”. The aim was to protect the houses and their residents from attack by SA Stormtroopers. In the early months of 1933, there were numerous street battles between SA members and the communists of the Combat Alliance, during one of which, on February 17, 1933, the SS Scharführer (Squadron Leader) von der Ahé was shot dead.
On the advice of friends, Hüttig left Berlin for a short while. In June 1933, he returned and tried to re-organize the House Protection Squadron, which had been decimated by arrests. He and other members were arrested in a raid in September and taken to the Gestapo prison Columbiadamm – later to become Columbiahaus Concentration Camp – and badly beaten. With the declared intention of having a deterrent effect on resistance activities by means of a death sentence against the main defendant Hüttig, he and 16 other men were put on trial on February 1, 1934. Although the court acknowledged in its verdict that there was no evidence against Hüttig, he was sentenced to death for “severe breach of the peace and attempted murder”. The other members of the Charlottenburg House Protection Squadron received lengthy prison sentences. On June 14, 1934, Richard Hüttig was executed in Plötzensee Prison. He was the first political prisoner to be put to death there.

Bernhard Letterhaus

Der in Barmen aufgewachsene Bernhard Letterhaus besucht nach der Lehre in einem Textilbetrieb die Höhere Fachschule für Textilgestaltung. Früh schließt er sich der Katholischen Arbeiterbewegung an. Nach der Teilnahme am Ersten Weltkrieg findet er 1921 einen Aufgabenbereich im Zentralverband christlicher Textilarbeiter. 1927 folgt er einer Bitte des Verbandspräses der Katholischen Arbeiter- und Knappenvereine Westdeutschlands, Otto Müller, und wird Verbandssekretär in der KAB-Zentrale Mönchengladbach. 1928 wird die Geschäftsführung in das Kölner Ketteler-Haus verlegt. Letterhaus hat so ständigen Kontakt zu Nikolaus Groß. Zum Ende der Weimarer Republik gehört er zum Kölner Kreis, der sich um Otto Müller, Groß und Joseph Joos gebildet hat. Er ist verheiratet mit Grete Thiel, mit der er eine Tochter hat. Letterhaus vertritt seit 1928 die Zentrumspartei im Preußischen Landtag und wird nach 1933 mehrfach verhört. Mitte der dreißiger Jahre wird das Kölner Ketteler-Haus zum Mittelpunkt einer Widerstandsgruppe, die sich bewusst in die Tradition der Katholischen Arbeiterbewegung stellt. 1939 wird Bernhard Letterhaus zum Wehrdienst eingezogen und kann seit 1942 als Hauptmann im Amt Ausland/Abwehr des Oberkommandos der Wehrmacht Bedeutung als Verbindungsmann der Verschwörer des 20. Juli zur ehemaligen Katholischen Arbeiterbewegung erlangen. Beim Umsturzversuch vom 20. Juli 1944 ist er bereit, das Amt eines politischen Beauftragten im Wehrkreis VI (Münster) zu übernehmen. Am 25. Juli 1944 festgenommen, wird Letterhaus am 13. November 1944 zum Tode verurteilt und einen Tag später in Berlin-Plötzensee ermordet.


Bernhard Letterhaus

Bernhard Letterhaus grew up in Barmen and after serving an apprenticeship in a textile factory attended advanced technical school for textile design. He became active in the Catholic labor movement at an early age. After serving in the First World War, he was active in the Central Association of Christian Textile Workers. In 1927, he assumed the position of secretary in the central office of the Catholic Labor Movement in Mönchengladbach at the request of Otto Müller, chief executive officer of the Verband Katholischer Arbeiter- und Knappenvereine Westdeutschlands (Association of Catholic Workers‘ and Miners‘ Organizations of Western Germany). In 1928, the association’s board of directors moved to the Ketteler-Haus in Cologne. This brought Letterhaus into constant contact with Nikolaus Gross. Letterhaus, who had a daughter with his wife Grete Thiel, represented the Center Party in the Prussian parliament. Because he opposed the Prussian Enabling Act, he boycotted the vote on the bill in the Prussian parliament in March 1933. Letterhaus also criticized the Concordat because he believed it would not offer sufficient protection to the institutions of political Catholicism. In spite of this, he was successful in keeping his own association alive until 1938. After the war began, Letterhaus was drafted into military service, and in 1942 he was transferred to Armed Forces High Command in Berlin. Here he established contact with the conspirators around Ludwig Beck and Carl Goerdeler. At the same time, he made his home in Cologne available to political friends such as Jakob Kaiser, Alfred Delp, Nikolaus Gross, and Heinrich Körner for discussions about a new order in Germany. Letterhaus was willing to assume the office of political representative for military district VI (Münster) in the event of a successful coup. A few days after the unsuccessful assassination attempt of July 20, 1944, Bernhard Letterhaus was arrested. He was sentenced to death by the People’s Court on November 13, 1944, and murdered one day later in Berlin-Plötzensee.