Maria Terwiel

Maria Terwiel wird am 7. Juni 1910 in Boppard am Rhein geboren. Sie besucht das Gymnasium in Stettin, wo ihr Vater als Vizepräsident beim Oberpräsidium der Provinz Pommern arbeitet. Nach dem Abitur 1931 studiert Maria Terwiel in Freiburg und München Jura. In Freiburg lernt sie ihren späteren Verlobten Helmut Himpel kennen. Da sie als »Halbjüdin« keine Aussicht auf eine Referendarstelle hat, bricht sie ihr Studium ab und kehrt zu ihrer Familie zurück, die inzwischen in Berlin wohnt. Ihren Lebensunterhalt verdient sie als Sekretärin in einem französisch-schweizerischen Textilunternehmen. Maria Terwiel und Helmut Himpel unterstützen jüdische Mitbürger, indem sie ihnen Lebensmittelkarten und Personalpapiere beschaffen. Sie lernen Harro Schulze-Boysen und John Graudenz kennen und beteiligen sich an den Aktionen der Widerstandsgruppe um Schulze-Boysen. Maria Terwiel vervielfältigt auf ihrer Schreibmaschine mehrere Flugschriften, darunter im Januar 1942 die AGIS-Flugschrift »Die Sorge um Deutschlands Zukunft geht durch das Volk« und sie beteiligt sich mit Fritz Thiel an der Zettelklebeaktion vom 17./18. August 1942 gegen die nationalsozialistische Propagandaausstellung »Das Sowjetparadies«. Anfang September 1942 übergibt ihr Fritz Thiel ein Funkgerät. Maria Terwiel wird am 17. September 1942 verhaftet, am 26. Januar 1943 vom Reichskriegsgericht zum Tode verurteilt und am 5. August 1943 in Berlin-Plötzensee ermordet.


Maria Terwiel

Maria Terwiel was born on June 7, 1910 in Boppard am Rhein. She attended high school in Stettin, where her father worked as deputy commissioner in the office of the regional commissioner of the province of Pomerania. After obtaining her school-leaving certificate in 1931, Maria Terwiel studied law in Freiburg and Munich. In Freiburg she met her future fiancé, Helmut Himpel. Since she was “half-Jewish”, she had no prospect of the trainee civil service post required for a law qualification. She broke off her studies and returned to her family, who had moved to Berlin. She earned her living as a secretary in a French-Swiss textile firm. Maria Terwiel and Helmut Himpel supported Jewish people by obtaining food ration cards and identity papers for them. The couple met Harro Schulze-Boysen and John Graudenz and took part in the actions of the resistance group around Schulze-Boysen. Maria Terwiel duplicated several leaflets on her typewriter, including the “AGIS” leaflet, “The People are Troubled about Germany’s Future!” in January 1942. She also participated with Fritz Thiel in the flyposting action on August 17-18, 1942 against the National Socialist propaganda exhibition “The Soviet Paradise”. At the beginning of September 1942, Fritz Thiel handed over a radio transmitter to her. Maria Terwiel was arrested on September 17, 1942, sentenced to death by the Reich Court Martial on January 26, 1943 and murdered in Berlin-Plötzensee on August 5, 1943.

Richard Teichgräber

Im sächsischen Dahlen östlich von Leipzig geboren, wächst Richard Teichgräber in einer Arbeiterfamilie auf. Als gelernte Schlosser engagiert er sich früh gewerkschaftlich im Deutschen Metallarbeiterverband (DMV) und macht dort Karriere: Ab 1918 ist er hauptamtlicher Gewerkschaftsfunktionär, dann Bezirksleiter für Sachsen. Gleichzeitig engagiert er sich kommunalpolitisch und ist in Leipzig von 1919 bis 1925 für die SPD beziehungsweise USPD Stadtverordneter.
Am 2. Mai 1933, wenige Wochen nach Machtübernahme der Nationalsozialisten, werden die freien Gewerkschaften zerschlagen und ihre Mitglieder verfolgt. Ein Verbindungsnetz entsteht unter anderem mit dem Ziel, Kontakt zur internationalen Gewerkschaftsbewegung aufzubauen. Diesem Netzwerk gehört auch Teichgräber an. Über Verbindungen ins Ausland werden Informationen, die in deutschen Betrieben gesammelt werden, sozialdemokratischen Exilorganisationen übermittelt. Mit der Verteilung von Exilschriften wie dem »Neuen Vorwärts« und anderer Publikationen wird versucht, die Zensur in Deutschland zu umgehen und der NS-Propaganda entgegenzuwirken.
Durch die fortgesetzte Gewerkschaftsarbeit bringt sich Teichgräber zunehmend in Gefahr: Am 15. Dezember 1934 wird er von der Gestapo verhaftet. Er kommt 1935 in das Konzentrationslager Sachsenburg bei Chemnitz, wird nach einigen Monaten entlassen, kurze Zeit später wieder festgenommen und 1937 vom Volksgerichtshof wegen »Vorbereitung zum Hochverrat« zu einer mehrjährigen Zuchthausstrafe verurteilt. Aus dem Zuchthaus heraus wird er 1938 in das KZ Buchenwald deportiert, danach Januar 1944 in das Konzentrationslager Majdanek und nach dessen Auflösung in das KZ Auschwitz. Kurz vor Ende des Krieges wird er wie andere Häftlinge in das österreichische KZ Mauthausen transportiert. Im Außenlager Melk wird er am 25. Februar (vermutlich) ermordet.


Richard Teichgräber

Born in the Saxon town of Dahlen, east of Leipzig, Richard Teichgräber grew up in a working-class family. Following his apprenticeship as a metalworker, he became increasingly involved in the trade union Deutscher Metallarbeiterverband (DMV) and began a career there: from 1918, he was a full-time trade union official, and went on to become district leader for Saxony. At the same time, he was active politically and served as city councillor in Leipzig from 1919 to 1925, representing the Social Democrats, the SPD/USPD.
On May 2, 1933, just a few weeks after the seizure of power by the National Socialists, the free trade unions were broken up and their members persecuted. A network emerged, aimed at establishing contact with the international trade union movement. This network also included Teichgräber. Through contacts abroad, information gathered in German firms was relayed to Social Democratic exile organisations. Exile newspapers such as the “Neuer Vorwärts” (New Forwards) and other publications were distributed in an attempt to circumvent censorship in Germany and counter National Socialist propaganda.
Teichgräber increasingly put himself in danger through his trade union activities: on December 15, 1934, he was arrested by the Gestapo and taken to Sachsenburg Concentration Camp near Chemnitz in 1935. He was released several months later but arrested again shortly afterwards and given a lengthy prison sentence by the Volksgerichtshof (People’s Court) in 1937 for “making preparations for high treason”. In 1938, he was deported from prison to a series of concentration camps, first to Buchenwald, then in January 1944 to Majdanek, and following its evacuation, to Auschwitz. Not long before the end of the war, he and other prisoners were transported to Mauthausen Concentration Camp in Austria. He was murdered in the sub-camp at Melk on February 25, 1945 (presumably).

Harald Poelchau

Als Sohn eines Potsdamer Pfarrers geboren, wächst Harald Poelchau in Schlesien auf, studiert ab 1922 an der Kirchlichen Hochschule in Bethel Theologie und anschließend Wohlfahrtspflege an der Berliner Hochschule für Politik. Nach einer zweijährigen Tätigkeit als Geschäftsführer der Deutschen Vereinigung für Jugendgerichte und Jugendgerichtshilfe promoviert er 1931 bei Paul Tillich, dem führenden Vertreter des Religiösen Sozialismus. Ende 1932 bewirbt sich Poelchau in Berlin um eine Stelle als Gefängnispfarrer und wird im April 1933 der erste vom NS-Regime eingesetzte Geistliche in einer Strafanstalt. Als Justizbeamter wird er bald zum wichtigen Beistand für die Opfer der nationalsozialistischen Gewalt und begleitet Hunderte zum Tode Verurteilte zur Hinrichtung. Seit 1941 gehört er zum Kreis um Helmuth James Graf von Moltke und nimmt an der ersten Kreisauer Haupttagung teil. Nach dem gescheiterten Umsturzversuch vom 20. Juli 1944 kann er den Angehörigen vieler am Umsturzversuch Beteiligter letzte Nachrichten und Briefe übermitteln. Ohne später von der Gestapo ermittelt zu werden, überlebt Harald Poelchau das Kriegsende.


Harald Poelchau

Born in Potsdam as the son of a pastor, Harald Poelchau grew up in Silesia. He began studying theology at the Church University in Bethel in 1922, followed by social work at the Berlin College of Political Science. After working for two years as managing director of the German Union for Juvenile Courts and Legal Aid for Juveniles, he gained his doctorate in 1931 under Paul Tillich, the leading representative of Religious Socialism. At the end of 1932, Poelchau applied for a prison chaplain’s post in Berlin and became the first cleric to be employed by the National Socialist regime in a penal institution. As an official in the Justice Department he rapidly became an important source of support for the victims of National Socialist violence, and gave spiritual comfort to hundreds of people sentenced to death as they faced execution. From 1941 on he was a member of the circle around Helmuth James Graf von Moltke and attended the first major Kreisau Conference. After the unsuccessful coup attempt of July 20, 1944 he was able to pass on last messages and farewell letters to the relatives of many of those sentenced for involvement in the coup attempt. Harald Poelchau managed to avoid being investigated by the Gestapo and survived the war.

Johannes Popitz

Der Verwaltungsjurist Johannes Popitz ist seit 1919 im Reichsfinanzministerium tätig, wo er 1925 zum Staatssekretär ernannt wird. Reichskanzler Franz von Papen setzt ihn nach seinem Staatsstreich gegen Preußen am 20. Juli 1932 als Reichskommissar für das preußische Finanzministerium ein. Ein Jahr später, am 21. April 1933, wird Popitz von der NS-Führung zum neuen preußischen Finanzminister ernannt. Seit 1938 arbeitet Popitz mit Hans Oster vom Amt Ausland/Abwehr zusammen. Er kann vielfältige Kontakte zu Kreisen der Militäropposition herstellen, die er auch im Rahmen der »Mittwochs-Gesellschaft«, einem sehr angesehenen Kreis von wissenschaftlich interessierten Persönlichkeiten, ausbaut. Popitz ist unter den Verschwörern der einzige amtierende Minister, der wegen seiner entschieden konservativen Ansichten bis heute stark umstritten ist. Es ist vorgesehen, ihn nach einem gelungenen Umsturz zum Kultusminister zu ernennen. Nach dem missglückten Attentat vom 20. Juli 1944 verhaftet die Gestapo Johannes Popitz trotz seiner Kontakte zu Heinrich Himmler, den er ebenfalls für ein Vorgehen gegen Hitler gewinnen will. Er wird am 3. Oktober vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt und fünf Monate später in Berlin-Plötzensee ermordet.


Johannes Popitz

Johannes Popitz, an administrative lawyer, had served in the Reich Ministry of Finance since 1919, where he was appointed state secretary in 1925. He was married to Cornelia Slot, with whom he had a daughter and two sons. Chancellor Franz von Papen appointed him Reich commissar for the Prussian Ministry of Finance after deposing the government of Prussia on July 20, 1932. A year later on April 21, 1933, the National Socialist leaders appointed Popitz as the new Prussian minister of finance. From 1938 on, he worked together with Hans Oster from the Office for Foreign Affairs/Counter Intelligence. He established numerous contacts with military opposition circles. Popitz personified the inherent contradictions in resistance motivated by conservative convictions: He held high government offices but nonetheless drifted into the circle of opposition to the regime. In the end, he supported the coup attempt. He was a member of the Mittwochsgesellschaft. In 1939-40, he drafted an arch-conservative „Provisional Basic Law of the State.“ In a meeting with Heinrich Himmler, he attempted to ascertain how the SS felt about attempting a coup. Popitz remained a controversial figure in the eyes of many conspirators, although he was designated to become minister of education and cultural affairs in the event the coup should succeed. After the failure of the assassination attempt of July 20, 1944, the Gestapo arrested Popitz despite his contacts with Heinrich Himmler. Johannes Popitz was sentenced to death by the People’s Court on October 3, 1944, and murdered five months later in Berlin-Plötzensee.

Adolf Reichwein

Nach dem Ersten Weltkrieg setzt sich der Pädagoge Adolf Reichwein für den Aufbau von Volkshochschulen, die Erwachsenenbildung und die Lehrerfortbildung ein. Er ist ein besonderer Vertrauter des preußischen Kultusministers Carl Heinrich Becker. 1930 wird Reichwein Professor für Geschichte und Staatsbürgerkunde an der neu eröffneten Pädagogischen Akademie in Halle und wird dort aus politischen Gründen von den Nationalsozialisten am 24. April 1933 entlassen. Die folgenden Jahre verbringt er als Landschullehrer in Tiefensee bei Berlin, später als Museumspädagoge am Staatlichen Museum für Deutsche Volkskunde in Berlin. Seit 1940 hat Reichwein Kontakt zu den Widerstandskreisen um Wilhelm Leuschner und Julius Leber und gehört selbst dem Kreisauer Kreis an. Im Sommer 1944 hat er nicht nur Kontakte zur militärischen Opposition, sondern trifft sich am 22. Juni 1944 gemeinsam mit Julius Leber mit den kommunistischen Widerstandskämpfern Anton Saefkow und Franz Jacob. Die Teilnahme eines Gestapo-Spitzels an diesem Treffen führt Anfang Juli 1944 zur Festnahme von Julius Leber und Adolf Reichwein. Adolf Reichwein wird am 20. Oktober 1944 vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt und am selben Tag in Berlin-Plötzensee ermordet.


Adolf Reichwein

Adolf Reichwein, an educator and close associate of Prussian minister of education and cultural affairs Carl Heinrich Becker, spoke out in support of a program of community colleges, adult education programs, and continuing education for teachers after the First World War. In 1930, Reichwein became a professor of history and political science at the newly opened Academy of Education in Halle. There he was dismissed for political reasons on April 24, 1933. He was married to Rosemarie Pallat, with whom he had three daughters and a son. Reichwein spent the following years as a country schoolteacher in Tiefensee near Berlin, later as an educator at the State Museum of German Folklore in Berlin. From 1940 on, he was in contact with the resistance circles around Wilhelm Leuschner and Julius Leber and was himself a member of the Kreisau Circle. In the summer of 1944, he met with the Communist leaders Anton Saefkow and Franz Jacob. These contacts led to his arrest in early July 1944. Adolf Reichwein was sentenced to death by the People’s Court on October 20, 1944, and murdered the same day in Berlin-Plötzensee.

Helmuth James Graf von Moltke

Helmuth James Graf von Moltke studiert seit 1925 in Berlin Rechts- und Staatswissenschaften. Engagiert leitet er in Schlesien ein freiwilliges Arbeitslager für Studenten, Bauern und Industriearbeiter. Moltke, der den demokratischen Kräften seiner Zeit nahe steht, verfolgt Hitlers Aufstieg mit offener Kritik. Daher verzichtet er 1933 auf ein Richteramt und lässt sich 1935 als Anwalt in Berlin nieder. Zwischen 1935 und 1938 absolviert er zudem eine Ausbildung als britischer Rechtsanwalt (Barrister) und plant die Übernahme eines Anwaltsbüros in London, die durch den Kriegsbeginn im September 1939 verhindert wird. Im selben Monat wird Moltke als Kriegsverwaltungsrat in das Amt Ausland/Abwehr des Oberkommandos der Wehrmacht in Berlin verpflichtet. Als Sachverständiger für Kriegs- und Völkerrecht versucht er, sich gegen Unrecht und Willkür einzusetzen. Besonders engagiert er sich für die humane Behandlung von Kriegsgefangenen und die Einhaltung des Völkerrechts. Bereits 1939 verfasst Moltke erste Denkschriften zur politischen Neuorientierung Deutschlands. Anfang 1940 stößt Peter Graf Yorck von Wartenburg zu einer Gruppe von Regimegegnern um Moltke. Moltke und Yorck werden zu den führenden Köpfen des daraus entstehenden Kreisauer Kreises und nehmen an den meisten der Beratungen in Berlin und in Kreisau teil. Moltke versucht, durch systematische Ausweitung seine Kontakte zu protestantischen und katholischen Kirchenführern und zu den Führern der politischen sozialdemokratischen Opposition zu erweitern. Nachdem Moltke Mitglieder des Solf-Kreises vor einer Gestapo-Überwachung warnt und dies entdeckt wird, wird er am 19. Januar 1944 verhaftet. Seine Beteiligung an den Staatsstreichplänen wird erst nach dem gescheiterten Umsturzversuch vom 20. Juli 1944 bekannt. Am 11. Januar 1945 verurteilt der Volksgerichtshof ihn zum Tode. Helmuth James Graf von Moltke wird am 23. Januar 1945 in Berlin-Plötzensee ermordet.


Helmuth James Graf von Moltke

Helmuth James Graf von Moltke studied law and political sciences in Berlin from 1925 on. He was deeply involved in running a voluntary work camp in Silesia for students, farmers and industrial workers. Moltke had close sympathies with the democratic forces of the day and expressed open criticism as he watched the rise of Hitler. Consequently, in 1933 he refused to accept appointment as a judge; in 1935 he set up an attorney’s office in Berlin. Between 1935 and 1938 he completed a training course as a British barrister and made plans to take over an attorney’s office in London, but was prevented by the outbreak of the Second World War in September 1939. In the same month Moltke was drafted as a war administration councilor in the Office for Foreign Affairs/Counterintelligence in the Armed Forces High Command in Berlin. As an expert adviser on international law and the laws of war he tried to combat injustice and arbitrariness. He was particularly active in advocating humane treatment of prisoners of war and the observance of international law. In 1939 Moltke already wrote the first memoranda on the establishment of a new political order in Germany. At the beginning of 1940, Peter Graf Yorck von Wartenburg joined a group of regime opponents gathered around Moltke. Moltke and Yorck became the leading figures in the group that subsequently emerged, the Kreisau Circle, and took part in most of its discussions in Berlin and Kreisau. Moltke systematically tried to extend his contacts to Protestant and Catholic Church leaders and to the leaders of the social democratic political opposition. Moltke was arrested on January 19, 1944 after it was discovered that he had warned members of the Solf Circle that they were under Gestapo surveillance. But his involvement in the plans for a coup against Hitler was not exposed until after the failure of the coup attempt of July 20, 1944. Helmuth James Graf von Moltke was sentenced to death by the People’s Court on January 11, 1945 and murdered on January 23, 1945 in Berlin-Plötzensee.

Friedrich Olbricht

Nach dem Abschluss seiner Ausbildung zum Generalstabsoffizier, die durch den Ersten Weltkrieg unterbrochen worden ist, wird Olbricht 1926 in das Reichswehrministerium in die Abteilung »Fremde Heere« berufen und kommt 1933 als Stabschef nach Dresden. Er ist verheiratet mit Eva Koeppel, mit der er eine Tochter und einen Sohn hat. Im März 1940 wird Olbricht zum Chef des Allgemeinen Heeresamtes beim Oberkommando des Heeres in Berlin ernannt und ist in Personalunion seit 1943 auch Chef des Wehrersatzamtes beim Oberkommando der Wehrmacht. Er betreibt in Abstimmung mit zivilen Oppositionsgruppen um Ludwig Beck und Carl Goerdeler seit 1942 die Ausarbeitung der »Walküre«-Pläne, um den Verschwörern die Übernahme der vollziehenden Gewalt zu ermöglichen. Im Herbst 1943 fordert er Stauffenberg als Stabschef für sein Amt an, bis dieser im Juni 1944 zum Befehlshaber des Ersatzheeres General Fromm wechselt. Als am 20. Juli 1944 das mehrfach verschobene Attentat auf Hitler stattfindet, löst Olbricht am Nachmittag in Berlin den »Walküre«-Alarm aus. Nach dem Scheitern des Umsturzversuches wird er noch in der Nacht im Hof des Bendlerblocks zusammen mit Stauffenberg, Mertz von Quirnheim und Werner von Haeften erschossen.


Friedrich Olbricht

After completing his training as an officer of the General Staff, which had been interrupted by the First World War, Olbricht was assigned to the Reichwehr Ministry, Department of Foreign Armies, in 1926; in 1933 he was sent to Dresden as chief of staff. He was married to Eva Koeppel, with whom he had a daughter and a son. In March 1940, Olbricht headed the Allgemeines Heeresamt (General Army Office) of the Army High Command in Berlin; from 1943 on, he also headed the Wehrersatzamt (Recruiting Office) of the Armed Forces High Command. From 1942 on, he helped prepare the ”Valkyrie“ plans in cooperation with civilian opposition groups around Ludwig Beck and Carl Goerdeler. These plans were intended to enable the conspirators to seize executive power in Germany. In the fall of 1943, he requested Stauffenberg as chief of staff for his office, where Stauffenberg remained until his transfer to the staff of General Fromm, commander of the Ersatzheer (Reserve Army). After having been repeatedly postponed, the assassination of Hitler was finally attempted on July 20, 1944, and Olbricht issued the orders to begin Operation ”Valkyrie“ in Berlin that afternoon. After the attempted coup had failed, Olbricht was executed by a firing squad in the inner courtyard of the Bendler Block that same night together with Stauffenberg, Mertz von Quirnheim, and Werner von Haeften.

Elisabeth und Erich Gloeden

Erich Gloeden ist der Sohn des bedeutenden jüdischen Bronzegießereibesitzers Siegfried Loevy. Aus der Werkstatt der Gebrüder Loevy stammt zum Beispiel der Schriftzug »Dem deutschen Volke« am Berliner Reichstagsgebäude. Als Erich Loevy geboren lässt er sich 1918 von einem Freund der Familie adoptieren, um seinen jüdischen Namen abzulegen. Als Architekt arbeitet er während des Krieges in Berlin.

Elisabeth »Lilo« wird in Köln geboren und ist promovierte Juristin und Gerichtsreferendarin. Sie und Erich Gloeden heiraten 1938. Das Ehepaar unterstützt gemeinsam mit Lilos Mutter Elisabeth Kuznitzky, die bei Ihnen wohnt, verfolgte Juden und Jüdinnen. Vor allem versorgen sie untergetauchte Bekannte und Verwandte mit Lebensmitteln.
Ende Juli 1944 nehmen sie den General der Artillerie Fritz Lindemann in ihrer Wohnung auf und verstecken ihn. Er ist einer der Hauptbeteiligten am missglückten Attentats- und Staatsstreichversuch vom 20. Juli und war zunächst in Dresden untergetaucht. Durch eine Denunziation wird der Aufenthaltsort des Generals verraten: Am 3. September stürmt die Gestapo die Wohnung, dabei wird Fritz Lindemann schwer verletzt. Elisabeth und Erich Gloeden werden zusammen mit Elisabeth Kuznitzky und anderen Helfern verhaftet und schwer misshandelt. Fritz Lindemann wird in ein Polizeikrankenhaus eingeliefert und stirbt dort am 22. September 1944.

Elisabeth Gloeden, Erich Gloeden und Elisabeth Kuznitzky werden am 27. November vom Volksgerichtshof zu Tode verurteilt und drei Tage später, am 30. November 1944 im Strafgefängnis Plötzensee hingerichtet.


Elisabeth and Erich Gloeden

Erich Gloeden was the son of the distinguished Jewish bronze foundry owner, Siegfried Loevy. The workshop of the Loevy brothers produced, for example, the inscription “Dem deutschen Volke” on the Reichstag building in Berlin. Born Erich Loevy, he had himself adopted in 1918 by a friend of the family to dispose of his Jewish name. During the war, he worked as an architect in Berlin.

Elisabeth “Lilo” was born in Cologne and was a doctor of law and judicial trainee. She and Erich Gloeden married in 1938. The couple, along with Lilo’s mother, Elisabeth Kuznitzky, who lived with them, helped persecuted Jews. She mainly supplied food to friends and relatives who had gone underground.
In late July 1944, they allowed the general of the artillery, Fritz Lindemann, to go into hiding in their apartment. He was one of the leaders of the failed assassination and coup attempt of July 20 and had first gone underground in Dresden. The general’s location was betrayed through a denunciation: on September 3 the Gestapo stormed the apartment. Fritz Lindemann was seriously wounded during the raid. Elisabeth and Erich Gloeden, along with Elisabeth Kuznitzky and other helpers, were arrested and badly beaten. Fritz Lindemann was taken to a police hospital, where he died on September 22,1944. Elisabeth Gloeden, Erich Gloeden and Elisabeth Kuznitzky were sentenced to death by the Volksgerichtshof (People’s Court) on November 27 and executed in Plötzensee prison three days later, on November 30, 1944.

Nikolaus Christoph von Halem

Nikolaus Christoph von Halem beginnt 1922 ein Jura-Studium in Heidelberg. Dort wird er Mitglied im akademischen Corps und knüpft erste Kontakte zu späteren Widerstandskämpfern. 1931 heiratet er Victoria Maria Grabe, das Paar bekommt zwei Söhne. Im Sommer 1933 bricht er seinen Referendardienst ab, weil er den verpflichtenden Beamteneid auf Hitler nicht leisten will und arbeitet zunächst als freier Wirtschaftsberater. Er nimmt Kontakt auf zu anderen Regimegegnern wie Karl Ludwig Freiherr von und zu Guttenberg, Henning von Tresckow und Herbert Mumm von Schwarzenstein. 1939 lernt er den kommunistischen Widerstandskämpfer Joseph Römer kennen, zusammen beginnen sie, ein Attentat auf Hitler zu planen. Römer wird verhaftet und unter der Folter gibt er vermutlich die Namen der Mitverschwörer von Halem und Schwarzenstein weiter.

Im Februar 1942 wird von Halem verhaftet. Obwohl er in insgesamt zehn Haftanstalten und Konzentrationslagern schwer gefoltert wird, verrät er keine Namen anderer Widerstandsaktivisten. Am 16. Juni 1944 verurteilt der Volksgerichtshof von Halem und von Schwarzenstein zum Tode, am 09. Oktober 1944 wird er im Zuchthaus Brandenburg hingerichtet.


Nikolaus Christoph von Halem

Nikolaus Christoph von Halem began studying law in Heidelberg in 1922. There, he became a member of the “akademischer Corps” student league, where he first met subsequent resistance fighters. In 1931, he married Victoria Maria Grabe; the couple had two sons. In the summer of 1933, he resigned from his judicial training because he did not want to swear the oath of allegiance to Hitler and took up work as a freelance economic consultant. He made contact with other dissidents, such as Karl Ludwig Freiherr von und zu Guttenberg, Henning von Tresckow and Herbert Mumm von Schwarzenstein. In 1939, he met the communist resistance fighter Joseph Römer and together, they started plotting to assassinate Hitler. Römer was arrested and tortured and is thought to have revealed the names of his co-conspirators, von Halem and von Schwarzenstein.
In February 1942, von Halem was arrested. Although he was severely tortured in a total of ten prisons and concentration camps, he did not divulge the names of any fellow resistance activists. On June 16,1944, the Volksgerichtshof (People’s Court) sentenced von Halem and von Schwarzenstein to death. Von Halem was executed on October 09, 1944, in Brandenburg prison.

Ernst Heilmann

Ernst Heilmann stammt aus einer jüdischen Familie und tritt schon mit 17 Jahren in die SPD ein. Er studiert Rechts- und Staatswissenschaften, arbeitet aber zunächst als Redakteur und Parlamentsberichterstatter. Im Ersten Weltkrieg wird er als Frontsoldat schwer verletzt. 1919 heiratet er Magdalena Müller, mit der er vier Kinder bekommt. Er nimmt seine publizistische Tätigkeit wieder auf und engagiert sich für »Kriegsbeschädigte«. Hauptsächlich widmet er seine Zeit aber der SPD: Zunächst als Fraktionsvorsitzender im Preußischen Landtag, von 1928 bis 1933 auch als Reichstagsabgeordneter. In zahlreichen Artikeln warnt er schon früh vor den Nationalsozialisten und ihren Plänen. Kurz nach dem Verbot der SPD wird Heilmann im Juni 1933 von der Gestapo verhaftet. Es folgen sieben Jahre Misshandlung, Demütigung und Folter in verschiedenen Gefängnissen und Konzentrationslagern. Am 03. April 1940 wird er im KZ Buchenwald ermordet.


Ernst Heilmann

Ernst Heilmann came from a Jewish family and joined the SPD at the early age of 17. He studied law and political science but first worked as a journalist and parliament reporter. In the First World War, he was badly wounded in action at the frontline. In 1919, he married Magdalena Müller, with whom he had four children. He resumed his activities as a writer and campaigned on behalf of war veterans. However, he devoted most of his time to the SPD: First, as parliamentary party leader in the Landtag of Prussia, and then from 1928 to 1933 as a member of the Reichstag. He wrote numerous articles well in advance against the National Socialists and their plans. Shortly after the SPD was banned, Heilman was arrested by the Gestapo in June 1933. It was the beginning of seven years of abuse, humiliation and torture in various prisons and concentration camps. On April 03, 1940, he was murdered in Buchenwald Concentration Camp.