Widerstand im Nationalsozialismus

Das Neubaugebiet westlich des Kurt-Schumacher-Damms wurde zwischen 1956 und 1961 errichtet.

Hier und in der östlich zwischen 1961 und 1965 errichteten Paul-Hertz-Siedlung wurden fast alle Straßen, Plätze und Schulen nach Widerstandskämpferinnen und Widerstandskämpfern, nach Gegnerinnen und Gegnern des Nationalsozialismus oder nach Teilnehmern des Attentats- und Umsturzversuchs vom 20. Juli 1944 benannt.


Resistance to National Socialism

The urban area west of Kurt-Schumacher-Damm was built between 1956 and 1961.

Here and in the Paul-Hertz-Siedlung estate, built to the east between 1961 and 1965, almost all streets, squares, bridges or schools are named after resistance fighters and people who took part in the plot to assassinate Adolf Hitler on 20 July 1944.

Zwangsarbeiterlager während der NS-Zeit, SSW-Werke

In der NS-Zeit befanden sich auf dem Gelände der heutigen Paul-Hertz-Siedlung große Barackenlager der benachbarten Siemens-Schuckertwerke (SSW). Anfang der 1940er-Jahre war fast die Hälfte der Arbeiterinnen und Arbeiter bei den SSW zwangsweise beschäftigt: Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter aus besetzten Gebieten in West- und Osteuropa, Kriegsgefangene und ab 1944 auch KZ-Häftlinge aus Ravensbrück und Sachsenhausen.

Wie der Siemenskonzern profitierten die meisten Berliner Betriebe von Zwangsarbeit. Nur dadurch konnten in den Kriegsjahren Rüstungsproduktion und Versorgung der Bevölkerung aufrechterhalten werden.


Forced Labour Camp in the National Socialist period, SSW works

During the National Socialist regime, there were large workers’ barracks at the site of the Paul-Hertz-Siedlung estate, affiliated to the neighbouring Siemens-Schuckertwerke works (SSW). In the early 1940s, almost half of all workers at SSW were forced labourers. They included forced labourers from occupied territories in Eastern and Western Europe, prisoners of war, and from 1944, concentration camp inmates from Ravensbrück and Sachsenhausen.

Like Siemens, hardly any business in Berlin went without using forced labour. It was the only way to maintain munitions production and civilian supplies in the war years.

Widerstand im Nationalsozialismus

Die Paul-Hertz-Siedlung östlich des Kurt-Schumacher-Damms wurde zwischen 1961 und 1965 errichtet.

Hier und in dem westlich errichteten Neubaugebiet wurden fast alle Straßen, Plätze, Schulen und Brücken – auch die Siedlung selbst – nach Widerstandskämpferinnen und Widerstandskämpfern, nach Gegnerinnen und Gegnern des Nationalsozialismus oder nach Teilnehmern des Attentats- und Umsturzversuchs vom 20. Juli 1944 benannt. Frauen und Männer – wie Helmuth James Graf von Moltke, Namensgeber der Grundschule an diesem Ort – wurden aufgrund dieses Widerstands gegen das NS-Regime zum Tode verurteilt und in Plötzensee hingerichtet.


Resistance to National Socialism

The Paul-Hertz-Siedlung estate, east of the Kurt-Schumacher-Damm, was built between 1961 and 1965.

Here and in the new housing development built to the west, almost all of the streets, squares, schools and bridges – including the housing estate itself – are named after resistance fighters, opponents of National Socialism or people who took part in the plot to assassinate Hitler on 20 July 1944.

Women and men such as Helmuth James Graf von Moltke – after whom the primary school here is named – were sentenced to death for resisting the National Socialist regime and executed at Plötzensee.

Zwangsarbeiterlager während der NS-Zeit, Kolonie Pferdemarkt

Auf dem heutigen Gelände dieser Kleingartenkolonie gab es Anfang der 1940er-Jahre ein Wohnbarackenlager. Die Stadtentwässerungsanstalt Berlin stellte 1940 einen Bauantrag zur Unterbringung von etwa 350 »auswärtigen Arbeitern«, die für sie arbeiten sollten. Baupläne, Dokumente und ein Luftbild zeugen von dem weithin unbekannten Lager.

In den Kriegsjahren 1939 bis 1945 gab es nach heutigem Wissensstand in Berlin etwa 3.000 Barackenlager und andere Unterkünfte für circa 500.000 Männer und Frauen, die Zwangsarbeit leisten mussten. Schon bei geringsten Vergehen drohten harte Strafen. Viele, vor allem ausländische Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter wurden in Plötzensee nach Unrechtsurteilen der NS-Justiz hingerichtet.


Forced Labour Camp in the National Socialist period, colony Pferdemarkt

On the site of what is now a colony of allotment gardens stood a residential barracks. In 1940, the Berlin waterworks company applied for a building permit to accommodate approximately 350 “foreign workers”. Construction plans, documents and an aerial photograph testify to this little-known camp.

According to current findings, there were about 3,000 barracks and other forms of accommodation in Berlin for about 500,000 men and women who had to do forced labour in the war years 1939 to 1945. Severe punishment was meted out even for the most minor offences. Many forced labourers, especially from abroad, were executed at Plötzensee after unjust verdicts by the National Socialist judiciary.

Widerstand im Nationalsozialismus

Straßen- oder Brückennamen dienen der Orientierung, aber auch der Erinnerung. In der Entscheidung, welche Personen ausgewählt werden, spiegeln sich politische Werte und Ziele der Vergabezeit.

Der Heuweg, eine Nebenstraße, die als Zufahrt zum späteren Gedenkort Plötzensee Bedeutung erhielt, wurde 1950 nach dem Charlottenburger Kommunisten Richard Hüttig benannt. Hüttig war 1934 der erste politische Häftling, der in Plötzensee hingerichtet wurde.

Der Königsdamm vor dem Haupteingang des ehemaligen Strafgefängnisses Plötzensee wurde 1971 umbenannt: Namensgeber wurde General Friedrich Olbricht, der maßgeblich am Umsturzversuch vom 20. Juli 1944 beteiligt war und im Bendlerblock hingerichtet wurde.


Resistance to National Socialism

The names of streets and bridges are not only a medium of orientation but also a means of remembrance. The selection of people to be honoured reflects contemporary political values and goals.

Heuweg, a side street that later gained significance as an access road to Plötzensee Memorial, was renamed after the Charlottenburg communist Richard Hüttig in 1950. In 1934, Hüttig was the first political prisoner executed at Plötzensee. Königsdamm, in front of the main entrance to the former prison at Plötzensee, was renamed in 1971: in honour of General Friedrich Olbricht, who played a leading role in the plot to oust Hitler on 20 July 1944 and was executed at the Bendlerblock.

Ehemaliges Strafgefängnis Plötzensee

Bereits seit 1887 war das Strafgefängnis Plötzensee ein Ort für die Vollstreckung der Todesstrafe im deutschen Kaiserreich. Die damalige Adresse Königsdamm 7 ist in den Sterbebüchern des Standesamts von Charlottenburg oft die letzte Spur von Menschen, die hier zwischen 1933 und 1945 nach Unrechtsurteilen der NS-Justiz ermordet wurden.

Heute sind neben dem Torhaus, der Gefängniskirche, dem Kessel- und dem Maschinenhaus auch frühere Zellentrakte erhalten. Am Heckerdamm sind die einstigen Beamtenwohnhäuser zu sehen, die vor der Gefängnismauer errichtet wurden.

1868 – 1879
als Gefängnisanlage für ca. 1.200 Gefangene erbaut

1933 – 1945
Untersuchungsgefängnis für politische Gefangene und eine der zentralen Hinrichtungsstätten der NS-Justiz

nach 1945
Nutzung als Jugendstrafanstalt auf Beschluss der Alliierten

ab 1987
Justizvollzugsanstalt für erwachsene männliche Gefangene

2013
Fusion der Justizvollzugsanstalten Plötzensee und Charlottenburg sowie des Justizvollzugskrankenhauses Berlin zur heutigen JVA Plötzensee


Former Prison Plötzensee

Strafgefängnis Plötzensee prison had been a site of execution since 1887 in the German Empire.

The address at the time, Königsdamm 7, entered in the death register of the Charlottenburg registrar’s office, is often the final trace of people murdered here between 1933 and 1945 after unjust verdicts by the National Socialist judiciary.

Gedenkstätte Plötzensee

Im Strafgefängnis Plötzensee befand sich eine der zentralen Hinrichtungsstätten der NS-Diktatur. Von 1933 bis 1945 wurden hier nach heutigem Wissen mehr als 2.800 Frauen und Männer ermordet – viele wegen Widerstands gegen den Nationalsozialismus. Die Opfer stammten aus 20 Nationen; etwa die Hälfte von ihnen war nicht deutscher Nationalität.

Der ehemalige Hinrichtungsraum bildet als Ort des Stillen Gedenkens das Zentrum der Gedenkstätte. Die benachbarte Dauerausstellung erinnert an alle hier ermordeten Opfer der nationalsozialistischen Unrechtsjustiz. Die Gedenkstätte Plötzensee ist heute ein europäischer Ort der Erinnerung.

1869 – 1879
als Strafanstalt erbaut

1951 – 1952
Umgestaltung eines Gefängnisteils zur Gedenkstätte im Auftrag des Senats von Berlin, Architekt: Bruno Grimmek

Ab 1954
ein Ort der jährlich stattfindenden Feierstunde zur Erinnerung an den Widerstand gegen den Nationalsozialismus

Seit 1987
unter Denkmalschutz


Gedenkstätte Plötzensee memorial

Plötzensee prison was one of the main execution sites of the National Socialist dictatorship. More than 2,800 people were put to death here from 1933 to 1945. Most were accused of resistance to National Socialism. About half of them were of non-German origin. This exhibition provides details about every one of them.

Evangelische Gedenkkirche Plötzensee

Die Evangelische Gedenkkirche Plötzensee ist eingebettet in den Gebäudekomplex des evangelischen Gemeindezentrums, errichtet für das Neubaugebiet der Paul-Hertz-Siedlung. Der quadratische Kirchenraum ist konsequent auf den Altar in der Mitte des Raumes ausgerichtet.

Die Kirche ist Gottesdienstraum der Gemeinde und Gedächtnisort für die Opfer von Plötzensee. Auf sechzehn großformatigen Tafeln thematisiert der Wiener Künstler Alfred Hrdlicka die Hinrichtungen in Plötzensee. Er verbindet sie mit biblischen Szenen und gesellschaftskritischen Themen seiner Zeit. Der Bilderzyklus »Plötzenseer Totentanz« ist ein einmaliges Beispiel moderner Kirchenkunst.

1968 – 1970
erbaut

Architekten
Gerd Neumann, Dietmar Grötzebach und Günther Plessow

Bauherrin
Evangelische Kirche in Berlin-Brandenburg

1969 – 1972
Bildzyklus »Plötzenseer Totentanz« von Alfred Hrdlicka

Denkmalschutz für das Ensemble aus Kirche, Gemeindezentrum, Wohnbau und Kindergarten


Evangelische Gedenkkirche Plötzensee church

This church is a place of worship for the Protestant community and a memorial to the victims of Plötzensee. The works by Viennese artist Alfred Hrdlicka highlight the executions that took place at Plötzensee. He combines them with Christian scenes and social issues of his time. The cycle of paintings “Plötzenseer Totentanz” (Dance Macabre of Plötzensee) is an outstanding work of modern ecclesiastical art.

Katholische Gedenkkirche Maria Regina Martyrum

Die Katholische Gedenkkirche Maria Regina Martyrum wurde als »Gedächtniskirche der deutschen Katholiken zu Ehren der Blutzeugen für Glaubens- und Gewissensfreiheit in den Jahren 1933 – 1945« gebaut. Sie ist den Menschen gewidmet, die im Kampf für Glaubens- und Gewissensfreiheit während der NS-Diktatur ermordet wurden.

Heute wird durch gemeinsame Veranstaltungen in ökumenischer Verbundenheit an Widerstandskämpfer*innen erinnert, deren Handeln oft konfessionsübergreifend war. Der von der katholischen und evangelischen Kirche gemeinsam genutzte Glockenturm ist ein Symbol dieser engen Zusammenarbeit.

1960 – 1963
erbaut

Architekten
Hans Schädel und Friedrich Ebert

Bauherr
Erzbistum Berlin

Denkmalschutz für das Ensemble aus Kirche, Glockenturm und Feierhof


Katholische Gedenkkirche Maria Regina Martyrum church

This church was built as a Catholic memorial church to honour those who gave their lives for freedom of faith and conscience in the years 1933 – 1945. Today, joint services in the spirit of ecumenism commemorate both Catholic and Protestant resistance fighters. The bell tower used by both churches symbolises this close cooperation.

Evangelische Sühne-Christi-Kirche

Die Evangelische Sühne-Christi-Kirche ist ein Beispiel moderner Nachkriegsarchitektur. Die räumliche Nähe zum Hinrichtungsort Plötzensee war ausschlaggebend für die Wahl des Kirchennamens und des künstlerischen Programms.

Die Gedenkmauer, die in die Kirche hineinführt, bildet zusammen mit einer Bodenplatte das »Mahnmal zum Gedenken an Schreckensorte der menschlichen Gesellschaft«. Durch eine Vielzahl langer Metallnägel wird die Wortfolge »Golgatha – Plötzensee – Auschwitz – Hiroshima – Mauern« gebildet. Das Kunstwerk steht im historischen Kontext der Erinnerungsarbeit der 1960er-Jahre in der Bundesrepublik Deutschland und des Baus der Berliner Mauer.

1962 – 1964
erbaut als Gemeindekirche für das Neubaugebiet Charlottenburg-Nord

Architekt
Hansrudolf Plarre

Bauherrin
Evangelische Kirche in Berlin-Brandenburg

1964
Gedenkmauer von Florian Breuer

Denkmalschutz für die Kirche und die umgebende Neubausiedlung


Evangelische Sühne-Christi-Kirche church

The Church of Atonement is a prime example of modern church architecture, named because of its close proximity to Plötzensee. The wall that leads into the church is a memorial to places of horror in human society. The artwork is to be seen in the context of remembrance work in the Federal Republic of Germany and the construction of the Berlin Wall.