Paul Hertz

Paul Hertz wird 1888 in Worms geboren und stammt aus einer jüdischen Familie. 1903 beginnt er eine Ausbildung zum Kaufmann und engagiert sich bereits gewerkschaftlich. 1908 tritt er aus der jüdischen Religionsgemeinschaft aus. Ab 1910 studiert er Nationalökonomie an der Universität München, die ihn auch ohne Abitur zulässt und beendet sein Studium 1914 mit der Promotion. 1917 tritt er in die Unabhängige Sozialdemokratische Partei (USPD) ein und wird Wirtschaftsredakteur der Parteizeitung „Freiheit“. Seine politische Karriere beginnt er 1920 in Berlin, wo er Stadtverordneter für Ernährung, Finanzen und Steuerwesen für den Stadtteil Charlottenburg wird. Kurze Zeit später findet die erste Reichstagswahl der Weimarer Republik statt. Paul Hertz zieht als Abgeordneter der USPD in das Parlament ein und vertritt, nach der Rückkehr des rechten Parteiflügels zur SPD, ab 1922 dort die SPD.
Kurz nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten reist er Ende März 1933 in seiner Funktion als SPD-Politiker nach Dänemark und Schweden, um dort Parteifreunde über die politische Situation zu informieren. Nach seiner Rückkehr kann er dank einer Warnung seiner drohenden Verhaftung entgehen und flieht zunächst über Zürich nach Prag. Dort engagiert er sich weiterhin in der SPD, wird Redakteur der Exil-Zeitschrift „Die sozialistische Aktion“ und arbeitet im Beirat des Völkerbunds. 1938 flieht Hertz zusammen mit seiner Familie nach Paris, ein Jahr später emigrieren sie in die USA.
1949 kehrt Hertz auf Wunsch des Regierenden Bürgermeisters Ernst Reuter nach Berlin zurück. Auch aufgrund seiner in den USA erworbenen Kenntnisse und Kontakte wird er Senator für den Marshallplan und Kreditwesen und verantwortlich für das Berliner Notstandsprogramm. Später wird er Senator für Wirtschaft und Finanzen und damit auch für den Wohnungsbau der Stadt zuständig. Mit seiner Arbeit trägt er wesentlich zum Aufbau Berlins in den Nachkriegsjahren bei. Paul Hertz stirbt am 23. Oktober 1961 in Berlin.