Richard Hüttig

Richard Hüttig stammt aus Bottendorf in Thüringen und kommt als Jugendlicher nach Berlin. Er arbeitet als Maurer, wohnt in einem Charlottenburger Arbeiterviertel und wird Mitglied der „Roten Jungfront“ der KPD. Ab 1930 leitet er die Häuserschutzstaffel des neugegründeten „Kampfbund gegen den Faschismus“ in seinem Kiez, dem „kleinen Wedding“. So sollen die Häuser und ihre Bewohner vor Übergriffen von SA-Sturmtruppen geschützt werden. In den ersten Monaten 1933 kommt es zu zahlreichen Straßenkämpfen zwischen SA-Angehörigen und den Kommunisten des Kampfbundes, dabei wird am 17.2.1933 der SS-Scharführer von der Ahé erschossen.
Hüttig verlässt auf Anraten seiner Freunde für kurze Zeit Berlin. Im Juni 1933 kommt er zurück und versucht, die durch viele Verhaftungen dezimierte Häuserschutzstaffel neu zu organisieren. Bei einer Razzia im September wird er zusammen mit anderen Mitgliedern verhaftet und in das Gestapo-Gefängnis Columbiadamm gebracht – dem späteren KZ Columbiahaus – und dort schwer misshandelt. Mit der erklärten Absicht, durch ein Todesurteil gegen den Hauptangeklagten Hüttig eine abschreckende Wirkung auf Widerstandsaktivitäten zu erzielen, wird gegen ihn und weitere 16 Männer am 1. Februar 1934 der Prozess eröffnet. Obwohl das Gericht in der Urteilsverkündung einräumt, dass Hüttig nichts nachzuweisen ist, wird er „wegen schweren Landfriedensbruchs und versuchten Mordes“ zum Tode verurteilt. Gegen die anderen Mitglieder der Charlottenburger Häuserschutzstaffel werden hohe Haftstrafen verhängt. Am 14. Juni 1934 wird Richard Hüttig im Strafgefängnis Plötzensee als erster politischer Häftling hingerichtet.