Richard Teichgräber

Im sächsischen Dahlen östlich von Leipzig geboren, wächst Richard Teichgräber in einer Arbeiterfamilie auf. Als gelernte Schlosser engagiert er sich früh gewerkschaftlich im Deutschen Metallarbeiterverband (DMV) und macht dort Karriere: Ab 1918 ist er hauptamtlicher Gewerkschaftsfunktionär, dann Bezirksleiter für Sachsen. Gleichzeitig engagiert er sich kommunalpolitisch und ist in Leipzig von 1919 bis 1925 für die SPD bzw. USPD Stadtverordneter.
Am 2. Mai 1933, wenige Wochen nach Machtübernahme der Nationalsozialisten, werden die freien Gewerkschaften zerschlagen und ihre Mitglieder verfolgt. Ein Verbindungsnetz entsteht u.a. mit dem Ziel, Kontakt zur internationalen Gewerkschaftsbewegung aufzubauen. Diesem Netzwerk gehört auch Teichgräber an. Über Verbindungen ins Ausland werden Informationen, die in deutschen Betrieben gesammelt werden, sozialdemokratischen Exilorganisationen übermittelt. Mit der Verteilung von Exilschriften wie dem „Neuen Vorwärts“ und anderer Publikationen wird versucht, die Zensur in Deutschland zu umgehen und der NS-Propaganda entgegenzuwirken.
Durch die fortgesetzte Gewerkschaftsarbeit bringt sich Teichgräber zunehmend in Gefahr: Am 15. Dezember 1934 wird er von der Gestapo verhaftet. Er kommt 1935 in das Konzentrationslager Sachsenburg bei Chemnitz, wird nach einigen Monaten entlassen, kurze Zeit später wieder festgenommen und 1937 vom Volksgerichtshof wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ zu einer mehrjährigen Zuchthausstrafe verurteilt. Aus dem Zuchthaus heraus wird er 1938 in das KZ Buchenwald deportiert, danach Januar 1944 in das Konzentrationslager Majdanek und nach dessen Auflösung in das KZ Auschwitz. Kurz vor Ende des Krieges wird er wie andere Häftlinge in das österreichische KZ Mauthausen transportiert. Im Außenlager Melk wird er am 25. Februar (vermutlich) ermordet.